Von mehreren VertreterInnen der Katholischen Kirche in OÖ wurde bereits in der Öffentlichkeit auf einen diözesanen konziliaren Prozess hingewiesen. Die Zeichen der Zeit und des Glaubens heute wahrzunehmen, steht dabei im Mittelpunkt der Maßnahmen der Katholischen Kirche in OÖ ab kommenden Herbst.
Auf Initiative der diözesanen Räte und Organisationen – Pastoralrat, Dechantenkonferenz, Katholische Aktion sowie Priesterrat und Frauenkommission – wurde ein dreijähriges Projekt im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils geplant. Bei der Pressekonferenz am Montag, 18. Juni 2012 im Linzer Presseclub stellten die diözesane VertreterInnen Dr. Johann Hintermaier, Bischofsvikar für Bildung, Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky / Vorsitzende Pastoralrat der Diözese Linz, Dr. Bert Brandstetter / Präsident Katholische Aktion OÖ, Mag.a Sissy Kamptner / Frauenkommission der Diözese Linz, Mag. Franz Wild / Generaldechant die Inhalte vor.„Darauf kommt es an: Immer in Bewegung zu bleiben, sich nicht in eingefahrenen Gewohnheiten auszuruhen, sondern immer auf der Suche nach neuen Kontaktmöglichkeiten Ausschau zu halten, unaufhörlich auf der Höhe berechtigter Forderungen der Zeit zu bleiben…“ (Papst Johannes XXIII. bei einer Ansprache)
Anlass: Konzilsjubiläum
Am 11. Oktober 2012 jährt sich die Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils zum 50. Mal. Dieses Konzil, das vom 11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 stattfand, war und ist ein Meilenstein in der Geschichte der katholischen Kirche. Es wurde von Papst Johannes XXIII. einberufen. Ziel war eine Erneuerung der Kirche nach innen und nach außen, eine „Verheutigung“ (aggiornamento) sowie die Einheit der ChristInnen bzw. der ganzen Menschheit.
Viel Energie
Angetrieben von diesem Geist des Konzils und der Notwendigkeit der Neuausrichtung der „Kirche und Glaube in der Welt von heute“ initiierten die Diözesanen Räte (Pastoralrat, Dechantenkonferenz, Priesterrat und Frauenkommission) im Jahr 2011 ein 3-jähriges diözesanes Projekt. Es wurde eine „TrägerInnengruppe“ mit VertreterInnen der Räte, des Konsistoriums, der Katholischen Aktion und des Kommunikationsbüros gebildet. Sie ist für die Projektplanung, -koordination und -umsetzung zuständig.
In Anlehnung an die Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ und das 3 Jahre dauernde Zweite Vatikanische Konzil wurde beschlossen, ein 3-Jahres-Projekt (11. Oktober 2012 – 8. Dezember 2015) mit folgenden Schwerpunkten umzusetzen:
- Jahr: Zeichen der Zeit und des Glaubens heute WAHRNEHMEN
Wahrnehmen (nach „innen“ und nach „außen“), wie die Menschen heute leben und glauben, was ihre „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ ist, was sie bewegt und beschäftigt Hinhören und hinschauen: Wahrnehmen, was IST, ohne zu bewerten und zu beurteilen/verurteilen 2. Jahr: Im Licht des Evangeliums - Jahr: DEUTEN
Das bei den Menschen Wahrgenommene (Trauer und Angst, Hoffnung und Freude) im Licht der frohen Botschaft deuten - Jahr: ANTWORTEN GEBEN, handeln, wirksam werden
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Wertschätzende, die Themen der Menschen ernst nehmende Antworten versuchen, die verstanden werden
Überraschend
Brief des Konzilstheologen Karl Rahner an seinen Bruder 11.1963 „Es ist merkwürdig bei diesem Konzil…Man ist in einen Topf geworfen, ist nicht der Koch, sondern wird gekocht und wie die Suppe am Ende aussieht, das weiß man erst am Ende…“
So wie der Verlauf des Konzils nicht vorhersehbar war, hat auch das 3-jährige Profilprojekt prozesshaften Charakter. Das bedeutet: Es darf/soll sich entwickeln, das „Ergebnis“ wird nicht vorgegeben. Ergebnisse aus dem 1. und 2. Jahr sollen insbesondere im 3. Jahr auf ihre Konsequenzen für Kirche und Gesellschaft reflektiert und in Maßnahmen umgesetzt werden.
Die Katholische Kirche in Oberösterreich nimmt das Konzilsjubiläum zum Anlass für eine ernsthafte „Verheutigung“: Sie interessiert sich für die Menschen und das, was sie bewegt Sie nimmt die Themen der Menschen ernst Sie möchte für die Menschen in der Welt von heute da sein Sie möchte sich öffnen, frischen Wind wehen lassen Die Kirche ist Sinnanbieterin – auch für moderne Menschen Konkrete Aktionen
- Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag 11. Oktober 2012, 18.15 Uhr im Linzer Mariendom und Jubiläumsfest auf Einladung der Katholischen Jugend OÖ nach dem Gottesdienst am Domplatz mit Jubiläumstorte und vielem mehr.
- Befragung/Erhebung der Zeichen der Zeit und des Glaubens heute: - Was bewegt die Menschen heute im Leben? - Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute. - Wahrnehmungsschulung – Schule der Achtsamkeit als christliche Haltung Sprach- und Feierkultur reflektieren – werden wir verstanden?
- Bestehende Gespräche an nichtkirchlichen Orten ausbauen: Betriebsgespräche, Gipfelgespräche, Grenz-Gänge, Staudammgespräche,…
- Überlegungen zu einem gemeinsamen Kirchentag / Diözesantag im Herbst 2015 Abschlussfest / Gottesdienst am 8. Dezember 2015
Dr. Johann Hintermaier, Bischofsvikar für Bildung
50 Jahre ist ein Zeitraum, wo man auf vieles zurückblicken kann, aber auch genug Energie hat, noch neue Schritte zu planen. In einem dreijährigen Prozess wollen wir in Anlehnung an die drei Jahre Dauer des Konzils auch in unserer Diözese Schwerpunkte setzen, die aus dem Konzil heraus motiviert sind. Es gibt in Österreich eine Broschüre zum Zweiten Vatikanischen Konzil mit dem Titel „Freudig und furchtlos“. Diese beiden Begriffe umschreiben sowohl positiv als auch negativ die Situation unserer Zeit sehr gut: freudig – traurig und furchtlos – ängstlich (vgl. GS 1: Freude und Hoffnung, Trauer und Angst … und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in den Herzen der Menschen seinen Widerhall fände). Als Diözese Linz wollen wir in den kommenden Jahren dem Handeln und der Intention des Konzils nachspüren und in unsere Zeit hinein übersetzen. Treibend und motivierend sind dabei die ersten Worte Jesu, wo er von der Ausrichtung auf Gott hin (metanoein) und dem Halt in Gott (pisteuein) spricht. So wurde gesamtkirchlich das kommende Jahr unter das Motto „Jahr des Glaubens“ gestellt. Dabei kommt auch wunderschön zum Ausdruck, was GS 1 sagt, dass die Kirche eine dienende Funktion hat in der Beziehungsarbeit untereinander und auf Gott hin. Glaube oder besser: Glauben ist ein Beziehungsgeschehen, wo es immer auch Freude und Trauer, Furcht und Angst geben kann (vgl. Pastoralkonstitution). Diesen Wirklichkeiten wollen wir nachgehen und sie in die pastoralen Konzepte umsetzen. - pastoral: Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen - Spannung zwischen Moderne und Tradition (auch in den neuen Entwicklungen) - das Evangelium in der Welt („von heute“) verkünden - moderne exegetische Methoden (die anderen Wissenschaften ernst nehmen)
Mag.a Edeltraud Artner-Papelitzky, Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz
Der Pastoralrat ist jenes Gremium, das in besonderer Weise die Vielfalt der Diözese abbildet. Laien und Priester, Diakone, Hauptamtliche und Ehrenamtliche, Frauen und Männer, verschiedenste Berufe und Kompetenzen aus den Dekanaten, aus verschiedenen Einrichtungen und Interessensgruppen der Diözese treffen sich zwei Mal im Jahr, um über pastorale Angelegenheiten und richtungsweisende Initiativen und Schwerpunkte zu beraten.
Das gemeinsame Priestertum aller Getauften wurde beim Zweiten Vatikanischen Konzil besonders betont. In der Diözese Linz haben wir die gute Tradition des Beteiligens und Befähigens. Wir haben heute mehr Engagierte denn je, denken wir an die Pfarrgemeinderäte, die ReligionslehrerInnen, an Pastoral- und PfarrassistentInnen, an Ehrenamtliche in der Katholischen Aktion und in vielen Arbeitsgruppen. Seelsorge ist Auftrag und Aufgabe für alle Getauften.
Seele ist im Hebräischen das gleiche Wort wie Kehle. Heute erleben wir vielfach, dass Leuten die Kehle zugeschnürt wird, ihnen die Luft ausgeht, sie auch seelisch krank werden. Da gilt es gut hinzuhören, was die Menschen bewegt. Es gilt aber auch zu prüfen, wie weit unsere kirchliche Sprache noch verstanden wird.
Bei den letzten Vollversammlungen haben wir uns schon auf den Weg gemacht. Was bewegt? Was beunruhigt? Was gelingt? So lauteten die drei Fragen. Die Beschäftigung mit Inhalten und der „Geistigkeit“ des Konzils hat uns inspiriert und motiviert.
Kirche ist ja nicht Selbstzweck, sondern für die Menschen da. Wir sind im Gespräch – auch an sog. nichtkirchlichen Orten -, das soll in den nächsten Jahren verstärkt werden. Betriebsgespräche der Betriebsseelsorge, Parteiengespräche der Katholischen Aktion…
Einladende Kirche sein ist ein Bild, besuchende Kirche ein anderes. Fenster öffnen ist das Eine, hinausgehen das Andere. Berührungsängste hat Jesus ja auch keine gehabt….
Dr. Bert Brandstetter, Präsident der Katholische Aktion OÖ
Die Katholische Aktion hat sich für einen konziliaren Prozess stark gemacht. So wie das Konzil ein „work in progress“ war, so gehen wir jetzt diese drei Jahre an. Als Katholische Aktion ist uns wichtig, hinzuhören auf das, was die Menschen heute bewegt. Eine Erhebung der Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute kann daher auch mit heutigen Mitteln, wie Social Media, Croud Sourcing geschehen. Wir sind derzeit dabei dies zu planen. Wir möchten ab Weihnachten 2012 auf die Menschen mit diesem Anliegen zugehen. Ein gemeinsamer Kirchentag oder Diözesantag im Herbst 2015 wird derzeit diskutiert und konkretisiert.
Mag.a Sissy Kamptner, Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Linz
Als Frauenkommission begrüßen wir die Rückbesinnung auf das Zweite Vatikanische Konzil. Die Frauen, die Seelsorgerinnen, die in den verschiedensten Bereichen unserer Diözese hauptamtlich wirken und nicht mehr wegzudenken sind, sind eine Frucht des Konzils. Ohne das Zweite Vatikanum wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Andererseits ist einiges, das schon damals von Frauen eingebracht wurde, noch immer nicht verwirklicht. Dazu planen wir gemeinsam mit der Katholischen Frauenbewegung OÖ im Oktober eine Abendveranstaltung mit Texten und Eingaben dieser Frauen, die schon vor 50 Jahren forderten, das kirchliche Frauenbild von Grund auf zu überdenken und zu verändern. Es geht um die Gleichstellung der Frauen in der Kirche, die bis heute nicht erreicht ist. Der Hl. Geist hat das Zweite Vatikanische Konzil nicht nur geprägt, ich würde sagen überhaupt ermöglicht. Diese Geistkraft kann auch heute verhärtete und erstarrte Strukturen aufbrechen. Die Geistkraft Gottes bringt eine weibliche Dimension zur Sprache – Hebräisch die „ruach“. So ist es uns auch sehr wichtig, dieses Projekt ganz bewusst im Gebet um den Hl. Geist zu begleiten.
Mag. Franz Wild, Generaldechant
Ich habe im Jahr 1970 mein Theologiestudium begonnen. Das war die Zeit, wo in unserer und anderen Diözesen in Diözesansynoden versucht wurde, die Beschlüsse des 2. Vatikanums in die diözesane Pastoral einzubringen. Ich war bei dieser Synode und den synodalen Beratungen nicht dabei, habe aber mitbekommen, dass dies mit viel Engagement, Einsatz und Optimismus geschehen ist.
Das Zweite Vatikanum hatte vieles aufgebrochen und in Bewegung gebracht. Das Konzil selbst und die Zeit danach zeigte eine bunte und lebendige Kirche, in der etwas in Bewegung war. Von diesem Schwung ist weitgehend nichts mehr zu spüren. Innerkirchliche Richtungsstreitigkeiten und Gewicht auf Äußerlichkeiten stehen im Vordergrund.
Das Jubiläum „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil“ möchte ich als Anlass nehmen, einige Impulse und Ziele bewusst ins Auge zu fassen – für meine Arbeit, und dort, wo ich etwas einbringen kann.
Einige Punkte möchte ich nennen:
- Auseinandersetzung mit den zentralen Inhalten und Perspektiven des 2. Vatikanums.
- Wir müssen Hörende sein: was bewegt die Menschen? Was sind ihre Fragen?
- Der Maßstab für unser Tun sind die Menschen mit ihren Freuden und Sorgen, ihren Hoffnungen und Ängsten.
- Das Evangelium ist eine Botschaft für das Leben, nicht für theoretische Konzepte.
- Dem Evangelium dienen, heißt, den Menschen helfen, gut und sinnerfüllt zu leben.
- Als Kirche sind wir Werkzeug, nicht Ziel. Unser Tun muss heilsam sein.
- Jesu Anliegen war das Miteinander und Füreinander; Kirche ist in dieser Hinsicht Ort der Begegnung, der Solidarität des bunten Miteinanders.
- Neben der Botschaft der Bibel gibt es in den anderen Religionen wertvolle Entwürfe der Lebensdeutung; Begegnung mit diesen Religionen ist bereichernd und ein Gebot der Stunde.
- Nicht nur in unseren ureigenen Orten (Kirchen, Pfarrheimen, Pfarrkanzleien) suchen wir die – Begegnung, sondern auch dort, wo die Menschen sind.
Ich sehe mich im Dienst einer lebensfördernden, ermutigenden und aufrichtenden Kirche.
Dieses Jubiläum möchte ich als Anstoß und Impuls wahrnehmen.
